News

Digitale Abhängigkeiten in den Niederlanden werden meist erst nach Vorfällen angegangen

Geschrieben von NPM Capital | 24.06.2026 15:30:55

Niederländische Organisationen sind sich ihrer digitalen Abhängigkeiten bewusst, setzen dieses Wissen jedoch nur begrenzt in konkrete Maßnahmen um, so eine Studie des NPM-Portfoliounternehmens Conclusion. Der Tech Reality Check 2026, durchgeführt unter 1058 IT-Entscheidern in vier europäischen Ländern, zeigt, dass 62 Prozent der niederländischen Befragten Risiken im Zusammenhang mit ausländischer Gesetzgebung erst nach einem Vorfall ernst nehmen, gegenüber 55 Prozent im europäischen Durchschnitt.

 

Obwohl digitale Souveränität aufgrund geopolitischer Entwicklungen und neuer Regulierung weit oben auf der Agenda steht, bleibt die Umsetzung konkreter Maßnahmen zurück. Zwar geben 86 Prozent der europäischen Befragten an, sich der Risiken durch Abhängigkeit von ausländischer Technologie bewusst zu sein, doch nur die Hälfte hat dieses Bewusstsein in aktiv angewandte Richtlinien übersetzt. Dadurch entsteht eine Lücke zwischen Erkenntnis und Umsetzung.

 

In den Niederlanden ist diese Lücke vergleichsweise groß. Nur 36 Prozent der Organisationen verfügen über aktive Maßnahmen zur Steuerung digitaler Abhängigkeiten, verglichen mit 53 Prozent in Deutschland und 56 Prozent in Spanien. Zudem haben lediglich 49 Prozent vollständige Transparenz über kritische Abhängigkeiten, während dieser Anteil in Spanien und Deutschland bei rund 70 Prozent liegt. Darüber hinaus erwarten 45 Prozent der niederländischen Organisationen erhebliche Störungen, wenn ein wichtiger Anbieter oder eine Cloud-Plattform ausfällt.

 

„Digitale Souveränität bedeutet zu wissen, von welchen Technologien, Anbietern und welchem Wissen man abhängig ist und welche Risiken damit verbunden sind“, sagt Lucas Jellema, CTO von Conclusion. „Das erfordert einen strukturierten Ansatz: Abhängigkeiten pro System, Prozess und Datensatz erfassen, die Auswirkungen möglicher Störungen bewerten und verbleibende Risiken nach der Risikominderung abwägen.“

 

Jellema ergänzt: „In den Niederlanden sehen wir uns gerne als digitalen Vorreiter, doch diese Studie zeigt, dass das Bewusstsein für Risiken hier seltener in konkrete Entscheidungen und Maßnahmen umgesetzt wird als in vergleichbaren Ländern. Es zeigt ein Muster: Wir wissen, dass Handlungsbedarf besteht, verschieben Maßnahmen jedoch bis zu einem Vorfall. Was jetzt benötigt wird, ist nicht mehr Technologie oder mehr Richtlinien auf dem Papier, sondern Governance, die zu klaren Entscheidungen zwingt: Welche Risiken akzeptieren wir, welche Maßnahmen ergreifen wir, und wer übernimmt die Verantwortung? Nur durch solche klaren Entscheidungen lässt sich die Kontrolle stärken, die für digitale Souveränität notwendig ist.“